Friedensprojekt 10b 2018Wie und wann entsteht Rassismus? Dies fragten sich zwölf Zehntklässlerinnen des Ottheinrich-Gymnasiums im Rahmen eines Friedensprojekts, das vom Institut français in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk und mit Unterstützung des Auswärtigen Amts ins Leben gerufen wurde. Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg – Anlass für die Initiatoren, „Botschafter für den Frieden“ in Deutschland und in Frankreich zu suchen, die Ideen für eine friedliche Welt entwickeln.

Um eine Antwort auf ihre Frage zu erhalten, interviewten die zwölf Gymnasiastinnen Kinder und Jugendliche in Wiesloch und Fontenay-aux-Roses. Die Befragungen in Wieslochs Partnerstadt führten sie während eines dreitägigen Aufenthaltes Anfang Oktober selbst durch.

 

Schnell wurde deutlich: Kleine Kinder kennen so etwas wie Vorurteile oder Rassismus eigentlich gar nicht. Die Älteren hingegen wissen um deren Existenz oder haben bereits selbst Erfahrungen damit gemacht. Alle Befragten, egal ob Deutsche oder Franzosen, stellen übereinstimmend fest, dass Klischees der komplexen Realität nicht gerecht werden. Der Tenor der Interviews: Vorurteile entstehen im Laufe der Sozialisation, sie sind quasi anerzogen. Meist werden sie dann besonders erfolgreich vermittelt, wenn es sonst keine Berührungspunkte zur jeweils anderen Kultur gibt.

Auf der Grundlage dieses Befunds entwickeln die Zehntklässlerinnen ihren Lösungsansatz, den sie in der Eröffnung eines interkulturellen Begegnungsraumes sehen. Am besten wäre es, wenn junge Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam kochen, essen, tanzen, spielen, miteinander lachen und aufeinander zugehen. Zu diesem Zwecke können sich die Schülerinnen vorstellen, ein Fest der Kulturen in Wiesloch zu etablieren, an dem sich Schulen und städtische Institutionen beteiligen. Ihren zweisprachigen Kurzfilm mit einem Zusammenschnitt der Interviews sowie der Präsentation der Projektidee reichen die zwölf jungen Frauen beim „Botschafter“-Projekt ein – und erhalten prompt eine Einladung nach Berlin. „Youth for Peace“ ist die krönende Abschlussveranstaltung, bei der auch der französische Präsident Emmanuel Macron und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anwesend sein werden. Der Wermutstropfen: Nur eine von ihnen darf als „Botschafterin für den Frieden“ gemeinsam mit der Französischlehrerin Iris Graf nach Berlin fahren und das Projekt vorstellen. Das Los fällt auf Nisa Kuyucu, vor der aufregende Tage liegen: Workshops mit dem Ziel, Ideen für eine friedliche Welt zu entwickeln, der Austausch mit 500 Jugendlichen aus 48 Ländern sowie ein abschließender Empfang in der französischen Botschaft in Berlin. Hier sitzt sie in der vierten Reihe, keine zehn Meter von Macron und Steinmeier entfernt. Sogar die Tagesschau berichtet von diesem Ereignis.

„Bewegend“, fasst Lehrerin Iris Graf die vier Tage in Berlin zusammen. Sie ist stolz auf die zwölf Mädchen, die das Projekt voller Begeisterung in Angriff nahmen. Auch wenn nicht alle von ihnen mit nach Berlin fahren durften, so haben doch alle davon profitiert. Allein die drei gemeinsamen Tage in Fontenay waren ein tolles Erlebnis, das nicht nur die Gruppe zusammengeschweißt hat, sondern ganz im Sinne der pazifistischen Kernidee die deutsch-französische Freundschaft auf ganz konkrete Art und Weise vertiefte.

Friedensprojekt 10b 2018
Lejla Arifovic, Kim Blaschko, Antonia Bochis, Laetitia Brand, Leonie Faßbach, Satenik Fidanyan, Anna Mey Johannes, Sude Kolburan, Nisa Kuyucu, Hannah Niederhoff, Lena Reinhard und Francesca Zuber aus der Klasse 10b des Ottheinrich-Gymnasiums bewarben sich als „Botschafterinnen für den Frieden“. Das gemeinsame Projekt durfte Nisa in der französischen Botschaft in Berlin vorstellen.

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