Bereits seit 2014 findet immer in der OHG-Aktiv-Woche das Rolliprojekt der Klassen 9 statt. Einen Einblick in das Projekt verleiht der folgende Artikel von Anke Degenkolb von der ersten Veranstaltung dieser Art.


No Risk – No Fun?
Neunte Klassen des OHG nehmen am Präventionsprojekt der „Deutschen Stiftung Querschnittlähmung“ teil

8.7.2014, Anke Degenkolb

norisk nofun parcour 2014Wie komme ich die Bordsteinkante hoch? Wie kann ich mich geschickt durch eine Menschenmenge hindurch oder an einem Hindernis vorbei bewegen? Wie lenke und bremse ich richtig? Wieviel Schwung brauche ich, um eine Rampe hochzufahren? Mit diesen Fragen müssen sich Rollstuhlfahrer täglich auseinandersetzen. Obwohl der öffentliche Raum immer stärker barrierefrei gestaltet wird, bleiben immer noch genügend Hindernisse, mit denen Gehbehinderte im Alltag konfrontiert sind. Menschen, die sich auf zwei Beinen durchs Leben bewegen, können die daraus entstehenden Probleme oft gar nicht nachvollziehen.

Was liegt da näher, als sich selbst einmal in einen Rollstuhl zu setzen und nachzuempfinden, welche Herausforderungen, aber auch welche neuen Sichtweisen sich daraus ergeben? Genau das haben alle neunten Klassen des Ottheinrich-Gymnasiums getan. In der „OHG-aktiv-Woche“ nahmen 165 Schülerinnen und Schüler, darunter 16 Austauschschüler aus Sturgis (USA), sowie ihre Lehrer am Präventionsprojekt „No Risk – No Fun?“ der „Deutschen Stiftung Querschnittlähmung“ (DSQ) teil.

Dieses begann mit einem Informationsteil, der von Dr. Rüdiger Rupp vom Universitätsklinikum Heidelberg angeleitet wurde. Dr. Rupp stand den Schülerinnen und Schüler später noch für die Beantwortung von Fragen und bei der Bearbeitung des Arbeitsheftes der DSQ zur Verfügung.

Für den darauf folgenden praktischen Teil hatten Patrick Beschorner von der Rollstuhlfirma Speedy und Holger Kranz von der Gesellschaft zur Förderung des integrativen Sports in der Helmut-Will-Halle einen Rollstuhl-Parcours aufgebaut. Zunächst einmal machten sich die Jugendlichen mit dem ungewohnten Fortbewegungsmittel vertraut und lernten, kleinere Hindernisse zu meistern. Mit den sogenannten „Handbikes“ radelten die Teilnehmer durch die Turnhalle.

Schwieriger wurde es dann beim Rollstuhl-Rugby unter der Leitung von Heiko Striehl, selbst Rollstuhlsportler und tätig für die DSQ. Hier waren Reaktion, Körperbeherrschung und Koordination gefragt. Doch die zehn mit Antikipprädern ausgestatteten Spezialrollstühle zogen die Neuntklässler geradezu magisch an und waren fast pausenlos im Einsatz.

Beim Rollstuhlparcours stand den Jugendlichen die Rollstuhlsportlerin Esther Weber mit ihrem Vita-Assitenzhund Stanley zur Seite. Wie ihr Kollege Heiko Striehl ist auch Frau Weber für die Deutsche Stiftung Querschnittlähmung im Einsatz. Diese engagiert sich für Betroffene und macht auf deren Situation aufmerksam. Eine der Hauptaufgaben liegt auch in der Prävention, denn viele Unfälle, die zu einer Querschnittlähmung führen, hätten durch mehr Vorsicht oder Achtsamkeit verhindert werden können.

Das unterstrichen auch Esther und Heiko mit ihrer persönlichen Geschichte: Esther saß als Teenagerin – Autogurte waren noch nicht vorgeschrieben – unangeschnallt auf der Rückbank eines Unfallautos. Heiko hingegen verletzte sich als Achtzehnjähriger beim Sprung in einen Baggersee schwer. In beiden Fällen führten die Unfälle zu einer irreversiblen Beschädigung der Wirbelsäule, einer Querschnittlähmung. „No Risk – No Fun?“ Diese bewusst provozierend gestellte Frage hätten viele der jugendlichen Zuhörer in diesem Moment wohl mit einem deutlichen Kopfschütteln kommentiert. Für die betroffen dreinblickenden Schüler wurde deutlich: Jeder Mensch begibt sich – wissentlich oder unabsichtlich – in gefährliche Situationen, und daher kann es jeden treffen. Allerdings ist es auch keine Lösung, sich sprichwörtlich „in Watte zu packen“ und allen möglichen Risiken auszuweichen. Die DSQ propagiert daher einen reflektierten Umgang mit Alltagssituationen: Junge Leute sollen durchaus „Fun“ haben, nur sollten sie ihr Handeln vorab durchdenken und mögliche Konsequenzen abwägen.

Esther Weber und Heiko Striehl vermittelten den Schülern neben diesem präventiven Aspekt auch einen Eindruck davon, dass man trotz einer schweren Behinderung sein Leben aktiv und selbstbestimmt meistern kann. Heiko Striehl trainiert für die RSG Heidelberg Rollstuhlrugbymannschaften und gibt Kurse für den Deutschen Rollstuhl-Sportverband. Esther Weber gewann mehrfach die Paralympics im Rollstuhlfechten und wurde Welt- und Europameisterin in dieser Disziplin. Der eine oder andere Teilnehmer stellte später überrascht fest, dass sogar eine Schule nach ihr benannt ist.

Die Koordination des Projekts lag in den Händen von Holger Kranz; eingeladen hatte die Schwerbehindertenvertreterin des Ottheinrich-Gymnasiums Lolita Beierle, die selbst im Rollstuhl sitzt. Die Ziele des DSQ, präventiv tätig zu sein und Kopfbarrieren abzubauen, dürften nach diesen beiden Rollitagen bei den Neuntklässlern des OHG angekommen sein. Frau Beierle zog eine positive Bilanz: „Die Schüler waren durchweg interessiert und aktiv.“

norisk nofun parcour 2014   norisk nofun rubgy 2014
Bild links: Im Rollstuhl-Parcours lernten die Teilnehmer den Umgang mit dem Rollstuhl und meisterten kleinere Hindernisse.
Bild rechts: Die Schüler, darunter auch einige Austauschschüler aus Sturgis, versuchten sich auch im Rollstuhl-Rugby.

Fotos: Sabrina Peraus

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