sanitaeterAngespannte Stille im Klassenzimmer. Die Schüler brüten über ihrer Physikarbeit. Plötzlich ein Knacken. Der in die Decke eingebaute Lautsprecher hüstelt kurz und dröhnt dann los: „Herr Dr. Schmiedeberg, bitte zum Sanitätsraum!“

Wenn mitten in der Stunde diese Durchsage durch die Klassenräume des Ottheinrich-Gymnasiums schallt, dann wissen Schüler wie Lehrer: Jemand hat sich verletzt, jemand benötigt dringend Hilfe. Es kann „nur“ eine blutende Nase oder ein verstauchter Knöchel sein, aber auch eine plötzliche Ohnmacht, ein ausgekugeltes Schultergelenk oder noch etwas Schlimmeres. Herr Dr. Schmiedeberg muss dann schleunigst den eigenen Unterricht verlassen und dem Verletzten so schnell wie möglich zu Hilfe eilen. Doch wer hilft, wenn Herr Dr. Schmiedeberg einmal nicht greifbar ist?

Eine so große Schule wie das OHG braucht möglichst viele Personen, die im Ernstfall Erste Hilfe leisten können. Da liegt es nahe, die Schülerinnen und Schüler mit einzubeziehen. Vor rund 10 Jahren begann Dr. Ingo Schmiedeberg, den Schulsanitätsdienst aufzubauen und dabei auch interessierte Schülerinnen und Schüler mit ins Boot zu holen. Unterstützt wird er seit einigen Jahren von Frau Klebe, einer Biologielehrerin, die eine zusätzliche Ausbildung zur „Rettungssanitäterin“ beim Kreisfeuerwehrverband absolviert hat. Weitere Unterstützer sind der Elternbeirat, der Förderverein und die Sparkasse Wiesloch, die zur Komplettierung der Ausstattung beigetragen haben.

Die materielle Grundausrüstung zur Behandlung von Notfällen am OHG war damit gelegt. Nun fehlten noch die personellen Ressourcen. „Zunächst einmal fragten wir Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen, ob sie Lust und Zeit hätten, eine Ausbildung als Schulsanitäter/in zu durchlaufen“, so Herr Dr. Schmiedeberg. „In den weiteren Jahren wurden aus den nachrückenden sechsten Klassen jeweils vier bis fünf Kinder aufgenommen. Damit sind mittlerweile schon über fünfzig Kinder im Schulsanitätsdienst tätig.“Eine besondere Ausstattung des Schulsanitätsdienstes ist ein Reanimationstrainer, den der Freundeskreis des Ottheinrich-Gymnasiums spendete. An diesem 2400 € teuren Gerät können die Schulsanitäter üben, wie man Wiederbelebungsmaßnahmen korrekt durchführt. Wird ineffizient beatmet oder die Herz-Druck-Massage falsch ausgeführt, gibt das Gerät Rückmeldung. Auch verschiedene Szenarien können simuliert werden, um ein gezieltes Training zu ermöglichen. „Dieses Gerät erhöht die Effektivität unserer Ausbildung beträchtlich“, so die einhellige Meinung der verantwortlichen Kollegen.

Die Vorteile des schülernahen Konzepts liegen klar auf der Hand: Zum einen kann auf Ausflügen und bei Sportfesten stets ein Sanitätsdienst eingerichtet werden bzw. ist stets ausgebildetes Personal greifbar. „Selbst wenn es ganz schlimm kommt - es ist nicht davon auszugehen, dass es mit diesem Modell auf einem Schulsportfest mehr Verletzte als Sanitäter gibt“, sagt Herr Dr. Schmiedeberg. Zum anderen profitiert auch Wiesloch als Stadt davon, denn „jedes Jahr kommen im Schnitt ca. 15 bis 20 ausgebildete Ersthelfer/innen hinzu, die auch außerhalb der Schule wissen, was im Notfall zu tun ist.“

Im Einsatzfall während des Unterrichts werden die älteren Sanitäter über die Sprechanlage zur Unterstützung gerufen, um unterstützend bei der Behandlung zu helfen oder die angeforderten Fahrzeuge des Rettungsdienstes einzuweisen.

„Der Schulsanitätsdienst ist eine vielfältige und verantwortungsvolle Aufgabe, die auf das Leben vorbereitet“, so lautet die abschließende Einschätzung Herr Dr. Schmiedebergs. Und da können wir ihm nur zustimmen!

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